Interview zu Inflation, Indexmietverträgen und Politik

Sarah Weinand

Diesen Beitrag teilen:

 

Celine Nadolny, Gründerin von Book of Finance über Immobilien und Inflation

Wir möchten euch heute im Experteninterview Celine Nadolny vorstellen. Sie ist Finanzexpertin und Gründerin von Book of Finance. Celine hat bereits über 594 Bücher zu den Themen Finanzen, Karriere und Persönlichkeitsentwicklung gelesen (Stand Januar 2022). Für ihre Follower rezensiert Celine diese ehrlich, kritisch und vollkommen unabhängig. Alleine in den Jahren 2020 und 2021 wurde Celine´s Arbeit mit 7 Preisen für ihren Finanzblog und Content ausgezeichnet. Wir sprechen heute mit Celine über die Inflation, Indexmietverträge und politische Regulierungen auf dem Immobilienmarkt.

 

 

 

Inflation

 

Die Inflation ist aktuell auf einem Rekordhoch von 7,4%. Das verunsichert viele Mieter, Vermieter und Immobilieninvestoren gleichermaßen.

 

Welche Auswirkungen der Inflation siehst du für Immobilien Investoren und für Vermieter?

 

Grundsätzlich sollten die Menschen erst einmal ruhig und rational bleiben. Eine besonders hohe Inflation gemäß Verbraucherpreisindex sollte maximal ein Wachrütteln sein, endlich doch die Konzepte umzusetzen, die auch bei einer niedrigen Inflation bereits sinnhaft gewesen wären: Geldwerte maximal als Liquiditätsreserve und für kurzfristige Investitionen und ansonsten ein klarer Fokus auf Sachwerte bei der Geldanlage.

 

Immobilien sind in diesem Zusammenhang für viele der naheliegendste Sachwert, neben Edelmetallen. Aber auch Unternehmensbeteiligungen in Form von Aktien sind ebenfalls Sachwerte. Im Gegensatz zu Geldwerten profitieren Sachwerte vor allem langfristig von einer Geldmengenausweitung. Denn, wenn mehr Kapital auf dieselbe Menge an Sachwerten trifft, ist es wirtschaftlich betrachtet trivial, in welche Richtung sich die Preise entwickeln werden.

 

Bei Immobilien wirkt diese Inflation aber an mehreren Stellen und das sollten Investoren bedenken. Zum einen steigt der Wert der Immobilie, gleichzeitig steigen aber auch die Kosten der Instandhaltung und Bewirtschaftung der Immobilien. Beide Anstiege müssen nicht zeitgleich und auch nicht im gleichen Maße von Statten gehen, weshalb hier stets ein Risiko besteht. Wer zu knapp kalkuliert hat, kann hier in Schwierigkeiten geraten. Dasselbe gilt selbstverständlich auch für die aktuell steigenden Finanzierungskonditionen.

 

Celine Nadolny spricht über Inflation und Indexmietverträge

Indexmietverträge


Die letzten Jahre war die Inflation extrem niedrig. Vermieter mit Indexmietverträgen konnten so kaum die Miete anheben. Nun stehen sie in der Kritik, weil bei den stark steigenden Preisen nun noch die Mieten ordentlich erhöht werden können.  Außerdem werden mit der steigenden Inflation Indexmietverträge für die Vermietung von Wohnraum für Vermieter interessanter.

 

Was hältst du persönlich von Indexmietverträgen?


Bisher hatte ich tatsächlich keinerlei Berührungspunkte mit Indexmietverträgen. Die Kritik ist mir aber durchaus direkt ersichtlich. Denn immer(!), wenn Investoren zu Lasten von Verbrauchern kurzzeitig einen strukturellen Vorteil haben, gibt es einen Aufschrei in Politik, Medien und Gesellschaft.

 

In diesem Fall kann ich die Kritik teilweise sogar nachvollziehen. Als Freundin von einfachen Strukturen würde ich keine Indexmietverträge nutzen, aber selbstverständlich ist dabei jeder Vermieter frei in seiner Entscheidung. Die Intention ist klar: Eine Absicherung gegen stark steigende Instandhaltungs- und Bewirtschaftungskosten für den Vermieter.

Politisch geraten Indexmietverträge gerade in Diskussion für eine Deckelung. Was hältst du davon?


Für mich eine absolut typische politische Forderung. Sobald ein Vehikel tatsächlich greifen würde – in diesem Fall eben die vertragliche Absicherung der Vermieter gegen steigende laufende Kosten – wird über eine Deckelung diskutiert. Als sehr auf Freiheit bedachte Person bin ich per se keine Freundin von Deckelungen, Verboten, Quoten oder dergleichen.

 

In diesem konkreten Fall sind Mieter und Vermieter auf freiwilliger und einvernehmlicher Basis einen Vertrag miteinander eingegangen, in dem sich beide Seiten – sofern es sich um verantwortungsbewusste Menschen handelt – der Chancen und Risiken bewusst waren. Das Problem an dieser Stelle sind nicht die Indexmietverträge oder die Vermieter, sondern das fehlende wirtschaftliche und finanzielle Wissen in unserer breiten Gesellschaft.

 

Regulierung des Wohnungsmarktes


Der Wohnungsmarkt in Deutschland ist für Vermieter bereits stark reguliert, um die Interessen der Mieter zu schützen.

Celine Nadolny spricht über die Regulierung des Wohnungsmarktes

Welche Regulierung betreffen die Wohnraumvermietung deiner Meinung nach ganz besonders?


Langfristig werden meiner Meinung nach vor allem energetische Regulierungen einen starken Einfluss auf die Wohnraumvermietung einnehmen. Wir müssen hier als Gesellschaft – und dazu gehören eben auch die privaten und im größeren Stil gewerblichen Vermieter in diesem Land – deutliche Fortschritte machen und ich kann mir nicht vorstellen, dass die Potenziale im Bereich des privaten Wohnraums nicht noch stärker ausgereizt werden.

 

Welche Lösungsvorschläge hättest du für Mieter und Vermieter, ohne so stark in den Markt einzugreifen?


Ich würde tatsächlich behaupten, dass es heute gar nicht mehr so leicht ist, eine oder ein paar wenige Schritte zu nennen, um einen sinnvolleren Impact zu kreieren. Der Staat hat in den vergangenen Jahrzehnten einen ungeheuren bürokratischen Dschungel von Steuern, Abgaben, Vorgaben, Regulierungen etc. geschaffen, der sich an vielen Stellen eben nicht befruchtet, sondern egalisiert.

 

Insbesondere im Bereich der energetischen Wohnraumsanierung liegt das größte Problem wohl in einer nicht transparenten Gestaltung der Kosten. Die Preise für die verschiedenen Möglichkeiten bilden heute noch nicht die vollständigen – vor allem langfristigen – Kosten ab. Wenn wir es schaffen würden, die umwelttechnischen Auswirkungen verschiedener Optionen transparent im Preis abzubilden, könnten wir den Markt ohne weitere Regulierung schalten und walten lassen und unterm Strich wohlmöglich nicht nur zu einem besseren Ergebnis kommen, sondern auch noch Innovation gezielt fördern. Aber offen gestanden glaube ich an nichts weniger als an eine marktwirtschaftliche Intervention der Politik.


Liebe Celine, wir danken dir herzlich für deine Zeit und das tolle Interview mit dir!

 

Du möchtest mehr über Celine und Ihre Arbeit erfahren?

 

Besuche Sie auf http://www.bookoffinance.de